Spielidee patentieren und schützen

Wenn Du Dich für Spiele-Entwicklung interessierst und kreative Einfälle hast, wirst Du früher oder später an den Punkt kommen, an dem Du eine tolle Spielidee hast. Schnell kommt die Frage auf, wie sich diese Idee vor Nachahmern und Ideenklau schützen lässt.

Die ernüchternde Antwort lautet kurz: praktisch überhaupt nicht, bzw. der Aufwand lohnt sich für Indies/kleine Teams nicht.

Der Mythos der phänomenalen Idee

Das Problem beginnt schon bei Frage, wie gut eine Idee denn wirklich ist. Welche Faktoren werden zur Bewertung zugrunde gelegt?

Sich eine Sache vorzustellen ist sehr viel einfacher, als sie wirklich umzusetzen. Was sich in der Vorstellung noch einfach und glatt darstellt, lässt sich häufig sehr viel schwieriger umsetzen. Das gilt auch für andere Medien; sich an eine Melodie zu erinnern fällt leicht, doch sie auf einem Instrument zu spielen, ist eine Herausforderung.

Was macht Deine Idee aus? Warum findest Du sie so großartig?

Das Problem mit Ideen ist, dass sie der eigenen Gedankenwelt entspringen. Was sich in unserem Gehirn abspielt, läuft zwangsläufig auf unseren eigenen Denkbahnen, die z.B. auch mit der Gefühlswelt verbunden sind. Eine Idee kann Dich also z.B. deshalb begeistern, weil sie an Deine persönlichen Gedanken, Gefühle, Erinnerungen und Sehnsüchte anknüpft. Wird sie andere, außerhalb dieser emotionalen Binding, ebenso begeistern?

Schließlich: Bist Du sicher, dass Deine Idee neu ist? Mag sein, dass sie für Dich neu ist, doch wenn sie so großartig ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie in gleicher oder zumindest ähnlicher Form schon existiert. Und wenn sie schonmal irgendwo ausprobiert wurde, warum ist sie dann gescheitert?

Was ist das Ziel?

Eine zentrale Frage bei der Bewertung von Ideen ist die nach dem Ziel des ganzen Projekts. Möchtest Du ein künstlerisches Projekt um seiner selbst Willen realisieren? Prima, dann mach es einfach!

Möchtest Du ein kommerzielles Spiel produzieren? Dann stehen viele Fragen im Raum, die die Tauglichkeit einer Idee beeinflussen. Um Geld zu verdienen, muss die Idee von der Zielgruppe angenommen werden. Wenn eine kreative Idee nur einer kleinen Gruppe von Liebhabern gefällt, kann es sein, dass diese schlicht zu klein ist, um damit genug Geld zu verdienen.

Eine gute Idee verkauft sich nicht von selbst

Zudem besteht ein erheblicher Aufwand in Marketingarbeit. Eine tolle Idee verkauft sich leider nicht von selbst. Eine gigantische Menge von Konkurrenzprodukten ist auf dem Markt, die es sehr schwer macht, überhaupt wahrgenommen zu werden. Es gibt viele gute Ideen, die sich aufgrund unzureichendem Marketings nicht durchsetzen konnten und viele schlechte Ideen, die durch geschickte Verkaufstaktiken Millionen umsetzen.

Auch wenn die Idee wirklich komplett neu und noch nie dagewesen wäre, kann es passieren, dass sie keinen Erfolg hat, weil die Verbindung zum aktuellen Stand der Dinge fehlt. Fast immer ist ein Übergang vom Alten zum Neuen nötig, um eine neue Idee erfolgreich einzuführen. Es ist wie mit einer entlegenen Insel, die nur betreten werden kann, wenn ein Weg dorthin führt.

Wovor hast Du Angst?

Möglicherweise beschäftigt Dich die Frage nach Ideenschutz deshalb, weil Du befürchtest, jemand könnte Deine Idee aufgreifen, umsetzen und damit viel Geld verdienen. Dabei bist Du der Meinung, dass Dir das Geld zustünde, weil Du eine Idee beigesteuert hast.

Ist das wirklich so? Die Spielidee macht nur einen winzigen Bruchteil eines fertigen Produkts aus und der eigentliche Wert liegt in der gelungenen Umsetzung. Es gibt unzählige Gründe, warum die Idee in der Umsetzung scheitern kann – technisch, konzeptuell, finanziell. Gleichzeitig ist sie schlicht wertlos, so lange sie nicht in ein reales Produkt umgesetzt wurde, das sich spielen und verkaufen lässt.

Wenn also jemand Deine Idee klaut, was natürlich tatsächlich passieren könnte, und sie bis zu einem marktreifen Produkt weitergeführt hat, wurde erheblich mehr Leistung in die Umsetzung beigesteuert als der Funken der Grundidee ausmacht. Der Anteil der Spielidee im fertigen Produkt ist in der Regel also relativ gering.

Siehe auch: If video game development ideas are worth nothing, why did my game’s idea implement so well (I’m not a professional game designer)?

Welcher Schutz ist theoretisch möglich?

Es gibt eine Reihe von juristischen Schutzmöglichkeiten, die Dir viele Anwälte und Berater gerne anbieten oder sogar anraten (denn das ist ihr Geschäft). So besteht neben dem Urheberrecht auch die Möglichkeit Muster, Marken oder Patente anzumelden.

Der Spieleentwickler „King“ geriet in die Schlagzeilen, weil er Markenanspruch auf Begriffe wie „Candy“ oder „Saga“ erhob und Konkurrenten (teils erfolglos) verklagte. Bemerke, dass es sich bei diesen Begriffen um textuelle Marketingelemente, nicht Spielideen, handelt. Es gibt viele Klone von Kings typischen Gelegenheitsspielen, die lediglich anders benannt werden müssen.

Schutzmaßnahmen wirken generell nur relativ:

  • Software-Patente sind überhaupt nur begrenzt möglich. Auch hier stellt sich die Frage, was überhaupt geschützt werden soll und wie sich dies sachlich festlegen lässt. Geht es um einen Algorithmus (Rechenverfahren)? Einen Ablauf im Interaktionskonzept? Ein kreativer Einfall allgemein lässt sich kaum schützen.
    Siehe auch: „Softwarepatente“ bei Wikipedia
  • Angemeldete Inhalte müssen sehr genau beschrieben werden. Bereits kleinste Abweichungen können eine andere Idee darstellen, bei der ein eventueller Schutz nicht mehr greift.
  • Anmeldungen unterscheiden sich regional und nach Rechtssystemen. Selbst wenn Du eine Idee anmelden könntest, kommen hier unterschiedliche Rechtsräume zum Einsatz. Wird beispielsweise eine Marke in Deutschland angemeldet, kann sie im Ausland dennoch Nachahmer finden. Weltweite Anmeldungen sind zwar möglich, aber kompliziert, weil sich die Rechtssprechung von Land zu Land unterscheidet.
  • Schutzanmeldungen sind mit sehr hohen Kosten verbunden. Ähnlich wie räumlich gelten sie auch zeitlich nicht unbegrenzt, so dass auch langfristige Kosten und Arbeit entstehen.

Bist Du bereit die Konsequenzen zu tragen?

Angenommen es wäre möglich, Deine Idee per Patent o. ä. zu schützen. Hättest Du dann überhaupt den Willen und die Mittel, um eventuelle Rechtsverstöße aktiv zu verfolgen?

Die Eintragung stellt zwar eine rechtliche Grundlage dar, doch musst Du selbst Anwälte beschäftigen, die im Falle einer Rechtsverletzung gegen den Verstoß aktiv werden. Jahrelange Gerichtsverfahren und hohe Kosten sind die Folge. Aufgrund der vielen Unsicherheiten und Auslegungsmöglichkeiten ist ein Erfolg in Deinem Interesse dabei noch nicht einmal garantiert.

Firmen kaufen selten Ideen

Könnte man die Spielidee nicht einfach an eine Entwicklerfirma verkaufen, um Geld zu verdienen und dabei den ganzen Aufwand los zu werden? Du kannst es versuchen, doch die meisten Firmen kaufen keine Ideen ein.

Wie oben bereits angedeutet, fehlt es der Welt nicht an Ideen, im Gegenteil. Jeder Entwickler, jede Firma, jeder Kreative hat selber unzählige gute Ideen von denen die meisten in der Schublade laden. Gerade im kommerziellen Umfeld spielt nicht der kreative Einfall, sondern die Markttauglichkeit eine entscheidende Rolle.

Zudem scheuen Firmen externe Einflüsse, um sich vor Schaden zu schützen. Angenommen eine Firma würde eine Idee kaufen und umsetzen und das Spiel würde ein großer Erfolg werden. Dann könnte es passieren, dass der Ideengeber der Meinung ist, dass der Erfolg auf seiner tollen Idee beruht und anfangen, plötzlich zusätzliche Forderungen, z.B. Geld, zu stellen. Selbst wenn ein Gericht z.B. aufgrund des Vertrages, gegen den Ideengeber entscheiden würde, hätte die Firma viel Ärger und Kosten aufgrund der Angreifbarkeit, die durch den externen Ideeneinkauf entsteht. Einige Firmen lehnen daher unaufgefordert zugesandte Konzepte und Ideen sofort ab, ohne dass sie überhaupt ein Entwickler zu Gesicht bekommen hat.

Siehe auch: If I have an idea for a video game. Can I sell my idea and get paid for it?

Was also tun?

Die oben angesprochenen Themen sind sicher nicht vollständig, zeigen aber schon, dass die Sache mit dem Ideenschutz ziemlich kompliziert ist. Insbesondere für kleine Entwickler oder gar Einzelpersonen lohnt es sich meines Erachtens kaum, den Aufwand und die Kosten eventueller Schutzeintragungen durchzuführen, weil sie ohnehin keinen Erfolg garantieren können.

Statt dessen ist es besser, eine Umsetzung zu erreichen und als erster mit der Idee auf dem Markt zu sein.

  • Vereinfache die Idee soweit wie möglich, um schnell eine erste lauffähige Demo zu erreichen. Hier zeigt sich, ob die Idee in der Praxis funktioniert und es entsteht eine gute Grundlage für alles weitere.
  • Wenn Du selbst nicht über die Fähigkeiten verfügst, musst Du einen Entwickler beschäftigen.
  • Wenn es sich bei Deiner Idee um einen kreativen Einfall handelt (und weniger z.B. um ein technisches Verfahren), sorge dafür, dass bis zur Veröffentlichung möglichst wenig Informationen nach außen dringen, damit die Idee nicht gestohlen wird. Es kann jedoch immer passieren, dass jemand zufällig zeitgleich eine ähnliche Idee hat.
  • Erweitere die Idee zu einem vollständigen Projektplan, der auch Dinge wie die Vermarktung vorsieht. Auch hier solltest Du Helfer für die Dinge beschäftigen, die Du nicht selbst erledigen kannst.
  • Ist das Spiel fertig oder das Konzept zumindest sehr ausgereift, kannst Du zumindest versuchen einen Publisher zu finden, der die Veröffentlichung übernimmt. Einige investieren auch in die Produktionskosten, wie z.B. Handy Games.

Wird das Spiel ein Erfolg, wird es auch Klone davon geben. Das ist unvermeidlich und bei jedem erfolgreichen Produkt der Fall. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz davor.

Siehe auch: If I have an idea for a video game, how do I get it produced?

Zusammenfassung

Auch wenn es einige rechtliche Hilfsmittel wie Marken- oder Patentanmeldungen gibt, existiert kein hundertprozentiger Schutz vor Ideen-Diebstahl. Da die Idee nur einen winzigen Bruchteil eines fertigen Spiels ausmacht, ist es wahrscheinlich, dass die Idee alleine weniger Wert ist, als Du glaubst. Rechtliche Schutzmaßnahmen lohnen sich nur für große Firmen, die auch in der Lage sind, die Rechtsansprüche aktiv zu verteidigen. Für kleine Teams und Einzelpersonen ist es in der Regel sinnvoller, eine konkrete Umsetzung anzustreben. Nur ein tatsächlich realisiertes Spiel lässt sich spielen und verkaufen. Es ist unvermeidlich, dass erfolgreiche Produkte von Konkurrenten geklont werden.

Dr. René Bühling

Hi, mein Name ist René und ich möchte Dir dabei helfen, deinen Traum vom eigenen Computerspiel Wirklichkeit werden zu lassen. Mein erstes kommerziell veröffentlichtes Spiel habe ich Mitte der 1990er Jahre als Hobby-Projekt mit einem Basic-Dialekt unter Windows entwickelt. Seither verfolge ich das Thema Spieleentwicklung in Hobby, Studium und Beruf. Ich habe über 20 Jahre Erfahrung in allen Phasen des Entwicklungsprozesses, die ich gerne mit dir teilen möchte.

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